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Photovoltaik für die Industrie – wie lässt sich die Anlage an das tatsächliche Lastprofil anpassen?

Photovoltaik für die Industrie sollte nicht mit der Frage beginnen, wie viele Module auf das Dach passen. In einem Produktionsbetrieb ist entscheidender, wann Strom verbraucht wird, wann die PV-Anlage ihn erzeugt und welcher Anteil dieser Erzeugung direkt vor Ort genutzt wird. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welche Anlagengröße sinnvoll ist, wo die Anlage errichtet werden sollte und ob die Kombination mit einem Energiespeicher zweckmäßig ist.

Photovoltaikmodule erzeugen Gleichstrom, der Wechselrichter wandelt ihn in Wechselstrom für das elektrische Netz des Betriebs um. Die Technik selbst ist jedoch nur ein Teil der Investition. In der Industrie hängt der Projekterfolg vor allem davon ab, wie gut die Erzeugungsanlage in das gesamte Energiesystem des Unternehmens eingebunden ist.

Kurz zusammengefasst

  • Der jährliche Stromverbrauch in MWh oder GWh zeigt nicht, ob der Betrieb den PV-Strom zu denselben Zeiten verbraucht, zu denen er erzeugt wird.
  • Für die Analyse sollte ein stündliches Lastprofil, möglichst jedoch verfügbare 15-Minuten-Daten, für ein repräsentatives Jahr zusammen mit dem Produktionskalender verwendet werden.
  • Arbeitstage, Wochenenden, prozessbedingte Stillstände und Saisonalität können den Eigenverbrauch erheblich beeinflussen.
  • Die verfügbare Dach- oder Freifläche bestimmt das technische Potenzial, sollte aber nicht allein die Größe der Investition festlegen.
  • Netzanschlussbedingungen und die Möglichkeit, Überschüsse ins Netz einzuspeisen, müssen geprüft werden, bevor das Konzept abgeschlossen wird.
  • Ein Energiespeicher ist sinnvoll, wenn er eine konkrete Aufgabe erfüllt: zum Beispiel PV-Überschüsse in andere Stunden verlagern, die Einspeisung begrenzen, Lastspitzen reduzieren oder in einem entsprechend ausgelegten System eine Notstromversorgung ermöglichen.

Industrielle Photovoltaik beginnt mit dem Betriebsprofil – nicht mit der Dachfläche

Industrielle Photovoltaikanlagen werden häufig zunächst anhand zweier Größen bewertet: des jährlichen Stromverbrauchs und der für Module verfügbaren Fläche. Beide Angaben sind notwendig, zeigen aber nicht den wichtigsten Punkt: die zeitliche Übereinstimmung von PV-Erzeugung und Strombedarf des Betriebs.

Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom hauptsächlich tagsüber; ihr Erzeugungsprofil verändert sich je nach Jahreszeit und Wetter. Ein Betrieb kann dagegen im Ein-, Zwei- oder Dreischichtbetrieb arbeiten, die Produktion am Wochenende einstellen, saisonale Produktionskampagnen durchführen oder rund um die Uhr eine hohe Grundlast aufweisen. Zwei Unternehmen mit identischem Jahresverbrauch können deshalb ein völlig unterschiedliches Potenzial haben, dieselbe PV-Anlage zu nutzen.

Photovoltaik für Industriebetriebe erfordert daher eine zeitaufgelöste Analyse und nicht nur eine Jahresbilanz. Für die Modellierung der Erzeugung können unter anderem stündliche PVGIS-Daten verwendet werden, mit denen sich die Photovoltaikerzeugung Stunde für Stunde analysieren lässt. Für einen Industriebetrieb muss dieses Erzeugungsprofil anschließend dem tatsächlichen Lastprofil gegenübergestellt werden.

Warum können zwei Unternehmen mit gleichem Jahresverbrauch unterschiedliche PV-Anlagen benötigen?

Nehmen wir an, zwei Betriebe verbrauchen jeweils 10 GWh Strom pro Jahr. Allein der Wert von 10 GWh sagt noch nicht, welche Photovoltaikvariante geeignet ist.

MerkmalBetrieb ABetrieb B
Jährlicher Stromverbrauch10 GWh10 GWh
HauptbetriebszeitenMo.–Fr., 6:00–18:00Produktion rund um die Uhr
Strombedarf mittagshochmittel
Strombedarf nachtsniedrighoch
Wochenendenreduzierte ProduktionBetrieb ähnlich wie an Arbeitstagen
Mögliche Auswirkung auf die PV-Anlagegute Übereinstimmung von PV-Erzeugung und Verbrauch an Arbeitstagen, jedoch Risiko von Überschüssen am Wochenendeein geringerer Anteil des Verbrauchs fällt trotz eines stabilen Tagesverbrauchs in die Sonnenstunden

In Betrieb A kann PV-Strom den Tagesbedarf der Produktionslinien gut decken; am Samstag und Sonntag kann dieselbe Anlage jedoch größere Überschüsse erzeugen. In Betrieb B ist der Gesamtverbrauch gleich hoch, ein erheblicher Anteil fällt jedoch nachts an, wenn die Photovoltaikanlage keinen Strom erzeugt. Daraus folgt: Dieselbe Jahresenergiebilanz führt nicht automatisch zu derselben Anlagenleistung, Konfiguration oder Wirtschaftlichkeit.

Das zeigt auch, warum einfache Regeln aus kleinen Anlagen nicht direkt auf einen großen Industriebetrieb übertragen werden sollten. In der Industrie müssen Produktionsrhythmus, Laststruktur und infrastrukturelle Einschränkungen berücksichtigt werden.

Was zeigt das stündliche Lastprofil – und was bleibt auf der Jahresrechnung unsichtbar?

Rechnungen sind ein guter Ausgangspunkt, um Stromverbrauch und Energiekosten zu prüfen, doch eine Monatssumme zeigt den Lastverlauf nicht. In der Praxis sollten Messdaten in möglichst kurzen Intervallen erfasst werden – für Strom sind häufig 15-Minuten-Werte verfügbar – und mindestens ein repräsentatives vollständiges Jahr betrachtet werden.

Ein solches Profil hilft unter anderem bei folgenden Fragen:

  • Wie hoch ist die minimale Grundlast des Betriebs am Tag und in der Nacht;
  • wie verändert sich die Last zwischen den Produktionsschichten;
  • treten Lastspitzen während der PV-Erzeugungszeiten auf;
  • wie sehen Samstage, Sonntage und Feiertage aus;
  • wann Wartungsstillstände und prozessbedingte Stillstände auftreten;
  • steigt der Verbrauch im Sommer, im Winter oder während bestimmter Produktionskampagnen;
  • welcher Anteil der potenziellen PV-Erzeugung kann direkt im Betrieb genutzt werden.

Wenn die Daten im Betrieb nicht ausreichend strukturiert vorliegen, sollte zunächst das Energiemonitoring und Energiemanagement verbessert werden. Je größer die Anlage und je variabler der Prozess, desto wichtiger ist die Qualität der Eingangsdaten.

Aus Sicht eines Auditors würde ich nicht mit der Auswahl von Modulen oder Wechselrichtern beginnen. Zuerst würde ich prüfen, wie eine typische Betriebswoche aussieht, wie sich die Monate unterscheiden und welche Verbraucher die tägliche Grundlast bilden. Erst danach lohnt sich der Vergleich technischer Varianten.

Arbeitstage, Wochenenden und prozessbedingte Stillstände

In einem Betrieb, der von Montag bis Freitag arbeitet, kann das PV-Erzeugungsprofil die Produktion unter der Woche gut abdecken, sich am Wochenende aber völlig anders auswirken. Eine große Anlage, die nur anhand der Spitzenlast eines Arbeitstags ausgelegt wurde, kann am Samstag Überschüsse erzeugen, die der Betrieb nicht nutzen kann.

Dasselbe gilt für längere Stillstände. Hat ein Unternehmen im Juli oder August eine jährliche Wartungspause, muss sie mit dem PV-Erzeugungsprofil abgeglichen werden. Es kann sich zeigen, dass eine Phase sehr hoher Solarstromerzeugung mit dem niedrigsten Strombedarf des Betriebs zusammenfällt.

Mindestens getrennt analysiert werden sollten:

  • ein typischer Arbeitstag;
  • ein typischer Samstag und Sonntag;
  • Tage mit reduzierter Produktion;
  • geplante Stillstände;
  • Anfahrphasen und Zeiten mit erhöhter Last.

Im Bürobereich stimmt der Strombedarf häufig besser mit den Sonnenstunden überein als bei einem Prozess, der überwiegend nachts läuft. In einem großen Unternehmen sollten Büros jedoch nicht getrennt von Produktionshallen, Lagern, Kälteanlagen, Druckluft und anderen Verbrauchern mit eigenen Betriebsplänen betrachtet werden.

Saisonalität der Produktion und Saisonalität der Photovoltaik

Auch Photovoltaik ist saisonabhängig: Die monatliche und stündliche Erzeugung verändert sich im Jahresverlauf. PVGIS stellt sowohl Monats- als auch Stundenwerte bereit, sodass sich in einer Industrieanalyse Veränderungen der PV-Erzeugung mit dem Betriebskalender vergleichen lassen.

Wenn ein Unternehmen im Sommer den meisten Strom verbraucht – etwa durch intensive Produktion, Kühlung oder Klimatisierung –, kann die zeitliche Übereinstimmung mit der PV-Erzeugung günstig sein. In einem anderen Betrieb kann der höchste Verbrauch im Winter auftreten, während die Linien im Sommer mit geringerer Last arbeiten. Die Jahresenergiemenge zeigt diesen Unterschied erneut nicht.

Auch geplante Veränderungen sind relevant. Eine neue Produktionslinie, die Elektrifizierung eines Prozesses, der Ausbau der Kälteversorgung, Ladeinfrastruktur für Fahrzeuge oder ein anderes Schichtsystem können das Lastprofil nach Inbetriebnahme der PV-Anlage verändern. Deshalb sollte die Analyse neben historischen Daten auch einen belastbaren Entwicklungsplan des Betriebs berücksichtigen.

Eigenverbrauch bei Photovoltaik für die Industrie

Eigenverbrauch ist der Anteil des von der PV-Anlage erzeugten Stroms, der zeitgleich direkt vor Ort genutzt wird. In einem großen Betrieb ist dies eine der wichtigsten Kenngrößen der Investition, weil direkt genutzter PV-Strom einen Teil des Netzbezugs ersetzt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass um jeden Preis der höchstmögliche Eigenverbrauch angestrebt werden sollte. Die geeignete Variante hängt vom Wert des vor Ort verbrauchten Stroms, den Verkaufs- oder Abrechnungsbedingungen für Überschüsse, den Investitionskosten, technischen Einschränkungen und geplanten Änderungen im Betrieb ab.

Für die Analyse sollten drei Größen getrennt betrachtet werden:

  1. die Stromerzeugung der PV-Anlage;
  2. der direkt im Betrieb genutzte Strom;
  3. der ins Netz eingespeiste oder in den Speicher geladene Strom.

So lässt sich erkennen, ob zu hohe Erzeugung in bestimmten Stunden, ein zu geringer Strombedarf im Betrieb oder eine begrenzte Einspeisemöglichkeit das eigentliche Problem ist.

Anschlussleistung und Netzrestriktionen können das Projekt verändern

Bei Industrieinvestitionen müssen die Parameter des Strombezugs von denen der Erzeugungsanlage getrennt betrachtet werden. Die Anschlussleistung des Standorts und die vertraglich vereinbarte Leistung auf der Verbrauchsseite sind nicht automatisch eine Genehmigung, dieselbe PV-Leistung in das Netz einzuspeisen. Die Art des Netzanschlusses einer Erzeugungsanlage hängt unter anderem von ihrer Leistung, Konfiguration und den Anforderungen des zuständigen Netzbetreibers ab.

Noch vor Abschluss des Konzepts muss daher das für die jeweilige Erzeugungsanlage geltende Anschlussverfahren geklärt werden. Außerdem sind die bestehende Transformatorenstation, Schaltanlagen, Schutzsysteme, Messeinrichtungen und die zulässige Betriebsweise am Netz zu prüfen. Die Anforderungen hängen von Leistung und Konfiguration des Projekts sowie vom zuständigen Netzbetreiber ab. So unterscheiden die aktuellen Formulare von TAURON Dystrybucja zwischen Unterlagen für Erzeugungsanlagen und Energiespeicher. Das zeigt deutlich, dass beide Komponenten formal und technisch berücksichtigt werden müssen.

Der polnische Übertragungsnetzbetreiber PSE veröffentlicht Informationen über verfügbare Netzanschlusskapazitäten im Übertragungsnetz und aktualisiert sie mindestens vierteljährlich. Im Jahr 2026 veröffentlichte PSE zudem Mitteilungen zu nicht marktbasierten Redispatch-Maßnahmen für PV-Anlagen. Diese Informationen dürfen jedoch nicht unmittelbar auf eine konkrete Industrieanlage übertragen werden: Die Bedingungen für den jeweiligen Betrieb sind beim zuständigen Verteilnetzbetreiber zu prüfen. Die PSE-Daten sind hier ein systemweiter Hinweis darauf, dass Netzverfügbarkeit und Erzeugungsbeschränkungen vor Abschluss des Projekts analysiert werden müssen.

Wenn die Einspeisung begrenzt ist, können Varianten unter anderem eine Änderung der Größe der Erzeugungsanlage, eine Leistungsregelung, eine bessere Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch oder einen Energiespeicher umfassen. Jede dieser Optionen muss anhand des konkreten Lastprofils berechnet werden.

Wenn mit der Investition auch die polnische Kapazitätsgebühr oder Kosten durch Überschreitungen der vertraglich vereinbarten Leistung reduziert werden sollen, muss dieser Effekt separat auf Grundlage des tatsächlichen Lastprofils und der aktuellen Abrechnungsregeln berechnet werden. Allein das Vorhandensein einer PV-Anlage garantiert keine Senkung dieser Kosten.

Dach oder Freifläche? Die verfügbare Fläche ist nur eine Randbedingung

Ein großes Hallendach wirkt wie ein naheliegender Standort für Photovoltaik. Die Zahl der verfügbaren Quadratmeter beantwortet jedoch nicht die Frage, welche Anlagengröße sinnvoll ist. Zunächst muss geprüft werden, ob der Standort technisch und betrieblich geeignet ist.

Photovoltaik auf dem Dach einer Industriehalle

Bei einer Dachanlage sind unter anderem folgende Punkte relevant:

  • Tragfähigkeit und Zustand der Konstruktion;
  • geplante Nutzungsdauer und Zeitpunkt einer künftigen Dachsanierung;
  • durch Lichtkuppeln, HVAC-Anlagen, Rauchabzüge und Wartungswege gesperrte Bereiche;
  • Verschattung durch Schornsteine, Attiken und benachbarte Bauwerke;
  • Möglichkeit einer sicheren Kabelführung und Durchführung von Wartungsarbeiten;
  • Art der Einbindung der Anlage in das interne elektrische Netz des Betriebs;
  • Brandschutzanforderungen.

Nach polnischem Recht muss bei Photovoltaikanlagen mit einer installierten elektrischen Leistung von mehr als 6,5 kW das Projekt mit einem Brandschutzsachverständigen abgestimmt werden. Nach Abschluss der Montage ist außerdem die zuständige Stelle der polnischen Staatlichen Feuerwehr (PSP) zu benachrichtigen. Die aktuellen Verfahren beschreibt die polnische Nationale Kontaktstelle für erneuerbare Energiequellen: Abstimmung des Projekts und Benachrichtigung der PSP.

Wenn das Dach in einigen Jahren saniert werden soll, sollte die PV-Anlage gemeinsam mit dieser Sanierung bewertet werden. Die vollständige Belegung eines Dachs, dessen Eindeckung bald erneuert werden muss, kann unnötige Kosten für Demontage und erneute Montage verursachen.

Photovoltaik auf Freiflächen

Eine Freifläche bietet mehr Freiheit bei der Anordnung der Module, bringt aber andere Einschränkungen mit sich. Zu prüfen sind unter anderem die Entfernung zum Anschlusspunkt im Betrieb, die Kabeltrasse, die Flächennutzung, eine mögliche Betriebserweiterung, Konflikte mit der internen Logistik sowie die für Standort und Größenordnung der Investition geltenden administrativen Anforderungen.

In der Praxis kann die beste Lösung nicht „Dach oder Freifläche“, sondern eine Aufteilung der Anlage auf mehrere Flächen sein. Eine solche Variante ist nur sinnvoll, wenn sie das interne Netz nicht übermäßig verkompliziert und weiterhin zum Energieprofil des Betriebs passt.

Wann ist ein Energiespeicher zusammen mit industrieller Photovoltaik sinnvoll?

Ein Energiespeicher sollte nicht automatisch zu einer großen PV-Anlage hinzugefügt werden. Zunächst muss seine konkrete Funktion definiert werden.

In Verbindung mit Photovoltaik kann ein Speicher unter anderem:

  • einen Teil der Überschusserzeugung um die Mittagszeit aufnehmen und später wieder abgeben;
  • helfen, die Einspeisung in das Netz unter einem festgelegten Grenzwert zu halten;
  • kurzzeitige Lastspitzen reduzieren, wenn Lastprofil und Abrechnungsmodell einen solchen Betrieb rechtfertigen;
  • eine Notstromversorgung übernehmen, jedoch nur in einem für Inselbetrieb ausgelegten System mit geeigneter Steuerung.

Bei der Bewertung eines Speichers muss zwischen Leistung in kW und Energiekapazität in kWh unterschieden werden. Außerdem sind Wirkungsgrad des Lade-/Entladezyklus, Degradation, Zyklenzahl, Steuerstrategie, Kosten der Ladeenergie und Wert der ausgespeicherten Energie zu analysieren.

Soll ausschließlich PV-Überschuss von der Mittagszeit in den Abend verschoben werden, ist ein anderes Speicherprofil erforderlich als zur Begrenzung kurzer Leistungsspitzen. Deshalb sollten Technologie und Einsatzfälle gesondert im Zusammenhang mit Energiespeichern für die Industrie analysiert werden.

Eine standardmäßige netzgekoppelte PV-Anlage versorgt den Betrieb bei einem Netzausfall nicht automatisch weiter. Wenn Versorgungssicherheit bei Unterbrechungen ein Investitionsziel ist, muss die Notstromfunktion gezielt geplant werden – mit Speicher oder einer anderen Quelle, Automatisierung, Abtrennung kritischer Verbraucher, Schutztechnik und einem für das jeweilige System zulässigen Übergang in den Inselbetrieb.

Wie sollte ein Betrieb die Analyse einer PV-Investition vorbereiten?

Bevor über eine konkrete Anlagenleistung gesprochen wird, sollten Daten zusammengestellt werden, mit denen sich mehrere Varianten modellieren und nur scheinbar attraktive Lösungen aussortieren lassen.

Besonders hilfreich sind:

  1. ein Stromlastprofil für mindestens ein repräsentatives Jahr – stündlich, möglichst jedoch als 15-Minuten-Daten, sofern verfügbar;
  2. Rechnungen und Angaben zu Tarif, vertraglich vereinbarter Leistung und Netzanschlussbedingungen;
  3. Betriebskalender: Schichten, Wochenenden, Feiertage, Stillstände und Saisonalität der Produktion;
  4. eine Liste geplanter Änderungen, die den Stromverbrauch in den kommenden Jahren beeinflussen werden;
  5. Einlinienschaltplan sowie Daten zu Transformatoren, Schaltanlagen und zentralen Messpunkten;
  6. Dachdokumentation oder Angaben zu verfügbaren Freiflächen;
  7. vorläufige Informationen des Netzbetreibers zum Anschluss der Erzeugungsanlage und zu möglichen Einspeisebeschränkungen;
  8. Festlegung, ob der Energiespeicher ein konkretes Problem lösen soll und welches.

Ein solches Datenpaket ersetzt weder die Planung noch die detaillierte Leistungsdimensionierung. Es ermöglicht jedoch, die Investition so vorzubereiten, dass spätere Berechnungen reale Varianten betreffen. Den detaillierten Dimensionierungsprozess beschreiben wir separat im Artikel So bestimmen Sie die optimale Photovoltaikleistung.

Die häufigsten Fehler bei der Vorbereitung einer industriellen Photovoltaikanlage

1. Dimensionierung nur nach dem Jahresverbrauch

Die Jahresenergiemenge ist eine Bilanz, Photovoltaik arbeitet jedoch zu konkreten Zeiten. Ohne zeitaufgelöstes Profil lässt sich nicht bestimmen, welcher Anteil der Erzeugung vor Ort genutzt wird.

2. Planung der Anlage „für das gesamte Dach“

Die verfügbare Fläche zeigt das maximale Standortpotenzial, nicht die für das Unternehmen am besten geeignete Variante. Eine vollständige Dachbelegung kann gerechtfertigt sein, muss sich jedoch aus Verbrauchsmodell, Einspeisebedingungen und Wirtschaftlichkeit ergeben.

3. Wochenenden und Stillstände ausblenden

Das ist besonders riskant bei Unternehmen mit intensiver Produktion von Montag bis Freitag. Überschüsse entstehen häufig gerade dann, wenn der Betrieb nicht arbeitet.

4. Den Speicher als Lösung für eine überdimensionierte PV-Anlage betrachten

Ein Speicher kann die Energienutzung verbessern, verursacht jedoch eigene Kosten, Verluste und Einschränkungen. Zuerst sollte geprüft werden, ob eine andere PV-Variante oder eine geänderte Steuerung der Verbraucher nicht sinnvoller ist.

5. Netzbedingungen zu spät prüfen

Ein ohne Netzbetreiber entwickeltes Konzept kann nach Erteilung der Anschlussbedingungen geändert werden müssen. Bei großen Projekten kann das Auswirkungen auf Zeitplan, Schutztechnik, Steuerung und Kosten haben.

6. Annehmen, dass PV bei einem Netzausfall den Betrieb versorgt

Diese Funktion erfordert eine geeignete Architektur. Allein Module auf dem Dach und netzgekoppelte Wechselrichter schaffen noch keine automatische Notstromversorgung.

Photovoltaik für die Industrie sollte Teil des Energiesystems des Betriebs sein

Eine gute industrielle PV-Investition ist nicht die größte Anlage, die auf dem Grundstück Platz findet. Sie ist an das Lastprofil, die technischen, netzseitigen und wirtschaftlichen Bedingungen sowie die Entwicklungspläne des Unternehmens angepasst.

Zuerst sollten daher das stündliche Lastprofil, der Betriebskalender, der Eigenverbrauch, die elektrische Infrastruktur sowie die Einschränkungen von Dach, Freifläche und Netz geprüft werden. Erst danach ist es sinnvoll, konkrete Leistungs- und Technologievarianten zu vergleichen.

Wenn ein Unternehmen eine PV-Investition vorbereitet, hilft die Analyse dieser Daten, die Entscheidung bereits vor der Planungsphase zu strukturieren. Im größeren Zusammenhang sollte sie auch mit der Optimierung der Stromkosten und geplanten Änderungen in den übrigen Energiesystemen des Betriebs verknüpft werden.

FAQ

Reicht der jährliche Stromverbrauch aus, um Photovoltaik für die Industrie zu bewerten?

Nein. Der Jahresverbrauch zeigt die Größenordnung des Bedarfs, aber nicht seinen zeitlichen Verlauf. Für die Bewertung von Eigenverbrauch und Überschüssen ist mindestens ein Stundenprofil erforderlich; bei großen Verbrauchern sollten verfügbare 15-Minuten-Daten und der Betriebskalender genutzt werden.

Bedeutet ein großes Dach, dass sich eine große PV-Anlage lohnt?

Nicht immer. Das Dach bestimmt die potenzielle Montagefläche, doch die Investitionsgröße sollte Lastprofil, Netzbedingungen, Zustand der Konstruktion, künftige Sanierungen und den Umgang mit Überschüssen berücksichtigen.

Verbessert ein Energiespeicher immer die Wirtschaftlichkeit industrieller Photovoltaik?

Nein. Der Speicher sollte eine konkrete Funktion erfüllen und anhand des tatsächlichen Energieprofils bewertet werden. In manchen Betrieben kann er die Nutzung des PV-Stroms erhöhen oder die Einspeisung begrenzen; in anderen sind Kosten und Verluste möglicherweise nicht gerechtfertigt.

Warum können zwei Betriebe mit gleichem Jahresverbrauch unterschiedliche PV-Anlagen benötigen?

Weil sie Strom zu unterschiedlichen Tageszeiten, an unterschiedlichen Wochentagen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten verbrauchen können. Ein Betrieb mit hoher Last während der Sonnenstunden hat ein anderes Eigenverbrauchspotenzial als ein Unternehmen, das einen großen Teil des Stroms nachts nutzt oder die Produktion am Wochenende einstellt.

Quellen

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