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Vereinbarte Bezugsleistung und Photovoltaik – was ändert die eigene PV-Anlage?

Photovoltaikmodule auf dem Dach einer Industriehalle und eine Transformatorstation auf dem Gelände eines Produktionsbetriebs.

Eine eigene Photovoltaikanlage (PV) kann die aus dem Netz bezogene Strommenge erheblich senken, ohne die maximale Netzbezugsleistung des Betriebs zu verringern. Ob eine niedrigere vertraglich vereinbarte Bezugsleistung möglich ist, hängt vor allem davon ab, ob die PV-Erzeugung zeitlich mit den höchsten Lasten zusammenfällt. Vor einer Vertragsänderung ist daher das Netzbezugsprofil zu prüfen – nicht nur die jährliche Energieeinsparung.

Kann Photovoltaik die vereinbarte Bezugsleistung senken?

Ja, aber nicht automatisch. Photovoltaik reduziert den Leistungsbezug aus dem Netz, während sie laufende Verbraucher versorgt. Tritt die höchste Last jedoch vor Sonnenaufgang, nach Einbruch der Dunkelheit oder bei geringer Erzeugung auf, kann die PV-Anlage die Bezugsspitze praktisch unverändert lassen.

Die vereinbarte Bezugsleistung ist ein Parameter des Stromliefer- beziehungsweise Netznutzungsvertrags. Sie entspricht weder der Modulleistung noch der Summe der Nennleistungen aller Anlagen im Betrieb. Nach der geltenden polnischen Tarifverordnung bezieht sie sich auf die aus dem Netz entnommene beziehungsweise in das Netz eingespeiste Wirkleistung, wobei mittlere Leistungswerte über 15-Minuten-Intervalle berücksichtigt werden. § 53 dieser Verordnung regelt die Überwachung und die Entgelte bei Überschreitung der vereinbarten Leistung.

Bei einer Anlage für den Eigenverbrauch sind daher drei Größen zu unterscheiden:

  • Betriebslast – die von Maschinen, Lüftung, Kälteanlagen und anderen Verbrauchern benötigte Leistung.
  • PV-Erzeugung – die tatsächliche Leistung auf der Wechselstromseite, die je nach Einstrahlung und Betriebsbedingungen schwankt.
  • Netzbezug – die an der vertraglichen Abrechnungsgrenze zum Netzbetreiber gemessene Leistung, nachdem der vor Ort verbrauchte PV-Strom berücksichtigt wurde.

Aus einer PV-Anlage mit 300 kWp folgt nicht, dass sich die bisher vereinbarte Bezugsleistung um 300 kW reduzieren lässt. kWp bezeichnet die Nennleistung der Module unter Standardtestbedingungen. Für die Abrechnung zählt dagegen das tatsächliche Leistungsprofil am Netzanschlusspunkt. Die Anschlussleistung und die Bedingungen für die Einspeisung von Überschüssen sind gesonderte Fragen und dürfen nicht mit einer möglichen Senkung der vereinbarten Bezugsleistung gleichgesetzt werden.

Warum kann die Bezugsspitze unverändert bleiben?

Viele Betriebe erreichen ihre maximale Bezugsleistung, wenn mehrere energieintensive Anlagen gleichzeitig anlaufen oder eine gesamte Schicht in Betrieb ist. Liegt dieser Zeitpunkt am Abend, im Winter oder an einem bewölkten Tag, liefern die Solarmodule keine verlässlich planbare Reduzierung der Spitze. Selbst bei reinem Tagesbetrieb kann das ungünstigste 15-Minuten-Intervall mit einem kurzfristigen Rückgang der Sonneneinstrahlung zusammenfallen.

Betrachten wir einen Betrieb mit einer vereinbarten Bezugsleistung von 600 kW und einer PV-Anlage. Die folgenden Werte sind beispielhafte Mittelwerte ausgewählter 15-Minuten-Intervalle eines Tages, ohne Batteriespeicher und ohne Netzeinspeisung:

UhrzeitBetriebslastPV-ErzeugungNetzbezug
06:00480 kW0 kW480 kW
11:00520 kW250 kW270 kW
14:00450 kW180 kW270 kW
18:00560 kW0 kW560 kW

In diesem Beispiel sinkt der Netzbezug zur Mittagszeit um 250 kW. Die höchste Bezugsleistung der gezeigten Intervalle beträgt dennoch 560 kW. Würde die vereinbarte Bezugsleistung allein aufgrund der PV-Erzeugung am Tag von 600 auf 400 kW reduziert, ergäbe sich im dargestellten Abendintervall das Risiko einer Überschreitung um 160 kW. Das Beispiel veranschaulicht den Zusammenhang, nicht die Höhe eines Entgelts: Dafür sind das vollständige Lastprofil und die Abrechnungsregeln der jeweiligen Entnahmestelle erforderlich.

Besonders wichtig ist diese Unterscheidung im Mehrschichtbetrieb. Ein geringerer jährlicher Strombezug in kWh belegt keine entsprechend starke Senkung der maximalen Leistung in kW. Auch eine einzelne günstige Sommerrechnung reicht als Nachweis nicht aus.

Wie lässt sich der tatsächliche Einfluss der PV-Anlage auf den Netzbezug prüfen?

1. Messgrenze festlegen und vergleichbare Daten zusammenführen

Die Analyse muss sich auf eine konkrete Stromabnahmestelle (PPE im polnischen System) oder auf gemeinsam vertraglich abgerechnete Lieferstellen beziehen. Benötigt wird ein Leistungs- oder Energieprofil aus der Abrechnungsmessung, möglichst in 15-Minuten-Auflösung und über ein vollständiges Jahr mit unterschiedlichen Betriebsbedingungen. Stellt der Netzbetreiber den Energiebezug in kWh je Viertelstunde bereit, ergibt sich die mittlere Wirkleistung des Intervalls durch Division der Energiemenge durch 0,25 Stunden.

Dazu sind die AC-seitigen Erzeugungsdaten der Wechselrichter und gegebenenfalls die Netzeinspeisung abzugleichen. Alle Daten müssen dieselben Zeitintervalle abdecken; Zeitumstellungen, Messlücken und Abweichungen zwischen Zählern sind zu berücksichtigen. Allein aus dem Netzbezugsprofil nach Installation der PV-Anlage lässt sich die gesamte Betriebslast nicht rekonstruieren: Ein Teil des Stroms wurde vor Ort verbraucht, ohne den Netzbezugszähler zu durchlaufen.

2. Lastspitzen untersuchen – nicht nur Durchschnitt und Energiegesamtmenge

Für die höchsten Bezugsleistungen sollten Datum und Ursache, Tageszeit, Jahreszeit, Produktionsschicht und tatsächliche PV-Erzeugung im selben Intervall erfasst werden. Ebenso sind Tage mit geringer Erzeugung, Anlagenstillstände, geplante Laststeigerungen und die Inbetriebnahme neuer Verbraucher einzubeziehen. Erst dann zeigt sich, ob die Senkung des Netzbezugs bei Sonnenschein auch die für die vereinbarte Bezugsleistung kritischen Zeiträume betrifft.

Für geplante Anlagen kann ein Erzeugungsmodell herangezogen werden, beispielsweise die stündlichen Daten aus PVGIS der Europäischen Kommission. Solche Modelle helfen, saisonale Effekte abzuschätzen, ersetzen aber weder die Analyse der ungünstigsten 15-Minuten-Intervalle noch reale Messdaten des Standorts. Insbesondere dürfen stündliche Mittelwerte nicht als garantierte Leistung für jede Viertelstunde angesehen werden.

3. Varianten mit den Vertragsbedingungen abgleichen

Das Ergebnis sollte mehrere realistische Werte der vereinbarten Bezugsleistung, mögliche Überschreitungen und die zugehörigen Kosten nach dem aktuellen Netzbetreibertarif gegenüberstellen. Zu prüfen ist, ob die Leistung für das ganze Jahr bestellt wird oder monatlich variieren kann und welche Voraussetzungen für Änderungen gelten. § 54 der polnischen Tarifverordnung verweist hierfür auf die vertraglichen Regelungen. Im in Absatz 2 beschriebenen Fall einer vom Energieunternehmen genehmigten Leistungsreduzierung erhöht sich der feste Bestandteil des Netzentgelts für den betreffenden Zeitraum um 10 %.

Daher darf nicht nur das niedrigere Grundentgelt verglichen werden. Die gewählte Variante muss auch bei ungünstigem Wetter, saisonalen Spitzen und absehbarem Betriebswachstum tragfähig sein. Mehr zur grundsätzlichen Vorgehensweise erläutert unser Beitrag zur Ermittlung der vereinbarten Bezugsleistung.

Wann können Laststeuerung oder Batteriespeicher helfen?

Wenn die PV-Anlage den Netzbezug vor allem mittags senkt, die Lastspitzen aber zu anderen Zeiten auftreten, sollten auch organisatorische und technische Maßnahmen verglichen werden:

  • Zeitliche Verschiebung von Verbrauchern – etwa durch angepasste Ladezeiten, den Betrieb von Nebenanlagen oder bestimmte Arbeitsschritte, soweit Prozess und Sicherheit dies zulassen.
  • Automatische Lastbegrenzung – Steuerung ausgewählter Verbraucher anhand der aktuell an der Netzgrenze gemessenen Leistung, mit Vorrang für kritische Prozesse.
  • Batteriespeicher – Entladung während der Lastspitze, sofern im erforderlichen Moment ausreichend Leistung, nutzbare Energie und Ladezustand verfügbar sind.

Soll der Netzbezug beispielsweise 30 Minuten lang um 100 kW reduziert werden, müssen mindestens 50 kWh Energie bereitgestellt werden. Der Speicher benötigt sowohl 100 kW Entladeleistung als auch genügend nutzbare Energie. Bei seiner Nennkapazität sind zusätzlich Verluste, Betriebsreserven und Alterung einzukalkulieren. Die Steuerung muss außerdem verhindern, dass der Speicher gerade dann lädt, wenn dies den Netzbezug über den festgelegten Grenzwert treiben würde.

Diese Variante sollte anhand eines chronologischen Lastprofils simuliert werden; sie ist keine pauschale Kaufempfehlung. Die Begrenzung der PV-Einspeisung betrifft dagegen vor allem die Abgabe von Überschüssen ins Netz und garantiert für sich genommen keine Senkung der maximalen Bezugsleistung. Auch die Auslegung von Photovoltaik für Industriebetriebe erfordert eine gesonderte Prüfung der Ziele und technischen Rahmenbedingungen.

Welche Daten werden vor einer Änderung der vereinbarten Bezugsleistung benötigt?

Vor einem Antrag beim Lieferanten oder Netzbetreiber sollten folgende Unterlagen vorliegen:

  1. der aktuelle Vertrag, die Tarifgruppe sowie die vereinbarte Bezugsleistung und die Anschlussleistung der jeweiligen Abnahmestelle;
  2. mindestens 12 Monate Netzbezugsdaten, möglichst in 15-Minuten-Auflösung, sowie Rechnungen mit etwaigen Leistungsüberschreitungen;
  3. die Leistung der PV-Module (kWp), die Wechselrichterleistung (kW) und das tatsächliche oder prognostizierte AC-seitige Erzeugungsprofil;
  4. Angaben zu Einspeisung, Erzeugungsbegrenzung, Batteriespeicher und Steuerung;
  5. Schichtpläne, saisonale Einflüsse, neue Anlagen sowie geplante Produktionssteigerungen oder -reduzierungen;
  6. die aktuellen Bedingungen für Leistungsänderungen und die Entgelte des am Standort zuständigen Netzbetreibers.

Sind einzelne Daten nicht verfügbar, sollte mit Rechnungen, Vertrag und einer Beschreibung der geplanten Anlage begonnen werden. Ein unvollständiges Lastprofil rechtfertigt jedoch keine konkrete Senkung der vereinbarten Bezugsleistung. Messdaten lassen sich im Rahmen der Angebote des jeweiligen Netzbetreibers abrufen. TAURON erläutert beispielsweise den Zugang zu Stunden- und 15-Minuten-Profilen über seinen Dienst eLicznik.

Aus Sicht eines Energieauditors würde ich zunächst einige besonders lastintensive Tage ohne nennenswerte PV-Erzeugung untersuchen und mit entsprechenden Tagen nach einer Änderung der Betriebsorganisation vergleichen. Bestimmen gerade diese Tage die Spitzen, lässt sich aus der Installation von Solarmodulen allein keine Reduzierung der vereinbarten Bezugsleistung ableiten. Erst eine nachweisbare, wiederholbare Verringerung des Bezugs in kritischen Intervallen bildet eine Grundlage für Varianten, die mit dem Netzbetreiber besprochen werden können.

Wie geht es weiter?

Hat Ihr Unternehmen bereits eine PV-Anlage oder plant es eine solche, sollten zunächst Bezugs- und Erzeugungsprofil mit den bestehenden Vertragsbedingungen verglichen werden. Im Rahmen einer Optimierung der Stromkosten lässt sich beurteilen, ob eine Änderung der vereinbarten Bezugsleistung begründet ist und welches Risiko bei geringer PV-Erzeugung entsteht.

Senden Sie über das Kontaktformular von Energy Trend eine kurze Beschreibung der Anlage und die vorhandenen Daten: Tarifgruppe, vereinbarte Bezugsleistung und Anschlussleistung, Bezugs- oder Erzeugungsprofil sowie den Betriebszeitplan. Für die erste Kontaktaufnahme ist keine vollständige Messdatenbasis erforderlich; der Umfang der weiteren Analyse kann nach Durchsicht der Unterlagen abgestimmt werden.

Quellen

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